Wohnwagenkauf Online

Wohnwagenkauf

In einem früheren Artikel hatte ich beschrieben, warum wir uns zu einem Wohnwagenkauf entschlossen hatten. Heute nun werde ich Euch schildern, wie die Entscheidung für unseren Eriba Feeling 380 fiel, warum wir ihn ohne Besichtigung kauften und was wir dabei gelernt haben.

Der Kauf eines eigenen Wohnwagens kam ja für uns überhaupt nur in Frage, weil parallel die Möglichkeit bestand, einen Stellplatz an unserem Kanuverein zu bekommen und so eine möglichst große Nutzungszeit übers Jahr zu erzielen. Auf dem schönen Vereinsgelände können die Wohnwagen der Mitglieder sehr günstig stehen, allerdings ist damit auch eine lange bestehende, sehr restriktive Einschränkung verbunden: der Wohnwagen darf eine Gesamtlänge von 6,5 m nicht überschreiten.

Neben dieser Vorgabe gab es naürlich auch von unserer Seite Eigenschaften, die der Wohnwagen erfüllen musste: 4 feste Schlafplätze ohne Umbau der Sitzgruppe, genug Schrankraum für 2 Erwachsene und 2 Kinder und wenn möglich so autark ausgestattet, dass auch ein freies Stehen möglich ist.

Wer jetzt mal so die aktuellen Modelle der Hersteller im Kopf Revue passieren lässt (wir wollten gern einen Neuen oder jungen Gebrauchten), dem wird schnell klar, dass unsere Auswahl extrem eingeschränkt war. Die Lösung lag letztendlich darin, statt in die Länge in die Höhe zu gehen und zwar in Form eines u.a. von Hymer Eriba angebotenen Schlafdaches. Nach Abwägung verschiedener in Frage kommender Modelle erschien uns der Eriba Feeling 380 mit Etagenbetten im Heck, Sitzgruppe vorn und einem weiteren Doppelbett im Schlafdach als Favorit.

Doch dann wurde uns bewußt, dass Eriba diesen Grundriss für die Saison 2015 aus dem Programm genommen hatte! Eine entspannte Neubestellung beim Hymer Händler vor Ort schied also aus.

Die Frage war somit: gibt es irgendwo noch einen (fast) neuen Feeling 380 und wenn ja, wo?!

Meine Internet Recherche ergab relativ schnell, dass in der Tat ein paar wenige Lagerfahrzeuge verfügbar waren, allerdings allesamt im Süden Deutschlands und somit für eine „mal eben“ Besichtigung zu weit entfernt. Ich nahm also mit den Händlern Kontakt auf nutzte meine 15 Jahre Berufserfahrung im Vertrieb, um telefonisch und per Email herauszufinden, welcher Wohnwagen und welcher Händler für uns in Frage kommen würde.

Den Zuschlag bekam am Ende das Hymer-Zentrum München in Sulzemoos. Dies ist Teil des „Freistaates“, einem Konglomerat aus 5 Händlern plus Service-Einrichtungen vor den Toren der bayrischen Landeshauptstadt.

Folgende Punkte solltet Ihr aus meiner Erfahrung beim Wohnwagenkauf ohne Besichtigung beachten:

  • Welchen Eindruck macht der Händler? Wie lange gibt es ihn, wie professionell ist seine Homepage, gibt es Berichte oder Bewertungen in Foren oder z.B. in Facebook Gruppen?
  • Wie ist die Erreichbarkeit? Wie schnell und kompetent wird auf Emails geantwortet, wann erfolgt ein gewünschter Rückruf?
  • Leider haben offensichtlich viele Händler den verkaufsfördernden Wert von guten Fotos ihrer Ausstellungsstücke immer noch nicht erkannt. Da werden unscharfe oder verwackelte Gegenlicht-Fotos ins Netz gestellt, teilweise sogar nicht mal vom tatsächlichen Fahrzeug. Und wer mitten im Sommer Fahrzeugbilder im Schnee auf dem Bildschirm sieht, sollte auf jeden Fall gewarnt sein…
  • Wünscht der weiter entfernte Interessent zusätzliche (Detail-) Fotos, so sollte der Verkäufer bereit sein, diese zur Verfügung zu stellen
  • Eventuell gibt es einen Bekannten mit Ahnung, der in der Nähe des Händlers wohnt und sich den Wohnwagen ansehen kann
  • Anhand von Katalog, Preisliste und technischen Daten sollte man sich so genau wie möglich mit dem Fahrzeug vertraut machen. Um es überspitzt zu sagen: es kann nicht schaden, wenn man das Fahrzeug besser kennt als der Verkäufer. In meinem Fall hatte der Verkäuder zunächst hartnäckig behauptet, es befände sich eine andere Heizungs-/Warmwasseranlage im Fahrzeug als es in den Unterlagen angegeben war
  • Natürlich sollte man sich alle wichtigen Eigenschaften des ausgesuchten Modells schriftlich bestätigen lassen, ebenso genaue Umfänge von möglichen Nachrüstungen vor der Abholung
  • Kaufvertrag und mögliche Finanzierungunterlagen aufmerksam lesen. Wie ist z.B. die Zahlung geregelt, besteht die Möglichkeit kostenfreier Zwischentilgung, wie ist die Abwicklung im Garantiefall?
  • Und immer gilt: fragen, fragen, fragen! Schon in der Sesamstraße wusste man: Wer nicht fragt, bleibt dumm!!

Worauf man bei der Abholung und Übergabe eines Wohnwagens achten sollte, wird ein weiteres Thema demnächst hier im Dr. Camp Blog sein.

Habt Ihr schon mal einen Wohnwagen oder ein Reisemobil im Internet gekauft? Oder habt Ihr weitere Fragen dazu? Dann rein damit in die Kommentare!

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6 Antworten

  1. Sascha sagt:

    Also ich kaufe fast nur online, habe gar keine Zeit um groß Besichtigungen zu machen. Und das klappt mit Fahrzeugen wie auch Campingfahrzeugen bisher wunderbar.
    Auf den Herstellerwebseiten sieht man ja Fotos, Grundrisse und all die Spezifikationen. Und wenn was nicht geht, gibt es ja die Gewährleistung.

    Aber mal zu Eurem Wohni: Ist denn das Hubdach im Winter nicht zu kalt? Hält das auch bei stürmischen Regen dicht? Und wenn man es dann „feucht“ einklappen muss …?
    Aber das Konzept ist schon clever, komisch das es Hymer aus dem Programm nimmt. Ich glaube, LMC hat damit richtig Erfolg (aber gehört ja auch zu Hymer).

    Grüße

    Sascha

    • Thorsten Heuel sagt:

      Hallo Sascha,
      Du bist ja auch ein BusinessCamper! Was unserer WoWa angeht: Hymer hat unseren Grundriss 2015 aus dem Programm genommen, die Baureihe mit dem Schlafdach (Feeling) gibt es nach wie vor. Wenn man das Dach nass zuklappen muss, sollte man es zeitnah wieder öffnen, damit es trocknen kann. Erfahrung bei stürmischem Regen haben wir noch nicht gemacht; vom VW Bus weiß ich, dass der Wind immer auf der festen Seite des Daches stehen sollte. Im Winter ist es ohne weiteres Zubehör im Dach zu kalt zum Schlafen, wir haben es einfach zu gelassen und die Sitzgruppe abends zum Schlafen umgebaut. Die Stehhöhe bei geschlossenem Dach ist grenzwertig, aber für ein paar Tage sind diese Winterlösungen auf jeden Fall machbar.
      Beste Grüße, Thorsten

  2. Björn sagt:

    Hallo Thorsten,
    wow, wirklich mutig einen Wohnwagen blind im Web zu kaufen. Aber in deiner Situation durchaus verständlich. Bedenken hätte ich da weniger mit Garantie oder Gewährleistung, denn dafür kaufst du ja zum einen in ein neu(er)es Fahrzeug, zum anderen natürlich auch von einem angesehenen Händler. Bedenken hätte ich viel mehr, dass der Wohnwagen nach dem Kauf dann doch nicht meinen Ansprüchen genügen würde. Klar kannst du dies bei einer einfachen Besichtigung nicht sofort mit Sicherheit sagen. Aber Tendenzen sind schon bei der ersten Begehung feststellbar. Habt ihr euch denn vorher den Wohnwagen vergleichsweise woanders angeschaut bzw. kanntet ihr das Modell schon? Oder habt ihr rein auf Basis der Austattungsmerkmale wirklich total blind gekauft? Das wäre dann wirklich kühn! :-D
    Und was mich noch interessieren würde: Jetzt, nach dem Kauf, werden da eure Erwartungen erfüllt?
    Gruß
    Björn vom Team http://www.transitfrei.de

    • Thorsten Heuel sagt:

      Hallo Björn,
      wir hatten uns in der Tat auf Messen die Baureihe Feeling mit Schlafdach von Hymer schon mal angesehen, allerdings wussten wir da nicht, dass es so einer mal werden würde. Auch waren es andere Grundrisse, die wir auf den Messen gesehen haben. Aber zumindest hatten wir ein Gefühl für das Fahrzeug (passend zum Namen Feeling…). Ich gebe Dir Recht, dass so ein kurzer Eindruck noch lange nicht bedeutet, dass der Wohnwagen dann auch wirklich passt. Es blieb also ein Restrisiko. Aber nach nun 2x etwa einer Woche zu Viert in dem Wohnwagen (und das in Herbst und Winter), kann ich zum Glück sagen, dass er unsere Erwartungen erfüllt, wir uns wohlfühlen und von vielen Details sogar begeistert sind. Dazu wird es natürlich in Kürze auch noch mehr auf dem Blog geben.
      Viele Grüße, Thorsten

  3. Christiane sagt:

    Wow, ein schicker Wohnwagen, ich wusste gar nicht, dass der Kleine auch ein Schlafdach beherbergt!
    Und echt mutig, einen Wohnwagen zu nehmen, ohne ihn vorher zu sehen! Ich weiß nicht, ob ich mich das trauen würde, auf gar keinen Fall von privat.

    Für mich entscheidend ist auch, wie fühle ich mich Wohnwagen/Wohnmobil. Manche, die eigentlich den optimalen Grundriss haben, fühlen sich unerwartet eng und klein an, andere überraschend großzügig und man fühlt sich gleich zu Hause. Und dann vor allem der Feuchtigkeits-Duft Test!

    Ansonsten kann man für die technische Prüfung vor Ort übrigens auch https://www.diepruefer.de beautragen, die bundesweit nach eigenen Angaben innerhalb von 2-3 Tagen Wohnmobile und -wagen technisch prüfen.

    Ich persönlich würde sagen: Seht euch unbedingt euren Wunschwohnwagen vorher an, ob euch auch noch gefällt, wenn ihr euch darin aufhaltet. Auch wenn ihr den gleichen Wohnwagen woanders vielleicht unbesehen kaufen wollt – das ist für mich aber eine Notlösung, die auch ziemlich schief gehen kann.

    Allzeit knitterfreie Fahrt!
    Christiane

  1. 30. November 2015

    […] Trotzdem ist das Fahrzeug im Alltag noch kompakter und in der Anschaffung deutlich günstiger. Und falls der Platz einmal nicht ausreicht, haben wir natürlich immer noch unseren Eriba Wohnwagen. […]

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